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SPD Adlershof

Kaiserzeit

Die Geschichte der parteilich organisierten Sozialdemokratie begann 1863 mit der Gründung des ADAV (Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein – bitte nicht mit dem ADAC, den gelben Engeln, verwechseln!) durch Ferdinand Lassalle. Lassalle gilt als einer der Gründungsväter unserer Partei, doch bevor er wirklich eine Partei schaffen konnte, wurde er bei einem Duell getötet (auch so etwas gab es in unserer Partei). Erst sein Nachfolger Johann Baptist von Schweitzer schuf eine durchstrukturierte Parteiorganisation (d. h. ein Adliger! baute die erste deutsche Arbeiterpartei auf). Der, vor allem in Norddeutschland aktive, ADAV konnte jedoch nicht alle überzeugen. Bereits 1866 wurde die sächsische Volkspartei gegründet, aus der dann, unter der Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht, die SDAP – die Sozialdemokratische Arbeiterpartei entstand.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches (18.01.1871) wurde den meisten Sozialisten bewußt, daß nur die Einigkeit der Linken einen Sieg bringen kann (die waren damals schlauer!), so daß es im Februar 1875 in Gotha zum Vereinigungskongreß des ADAV (15.000 Mitglieder) und der SDAP (9.000 Mitglieder) zur SAP – Sozialistische Arbeiterpartei kam. Die ersten Erfolge stellten sich ein, so errang die Partei bei der Reichstagswahl 1877 bereits 9,1 % der Stimmen. 1878 nutzt der Reichskanzler Otto von Bismarck zwei Attentate auf den Deutschen Kaiser Wilhelm I. aus, um der SAP zuerst die Verantwortung zuzuschieben und ihr dann ihre Rechte zu entziehen. Die Partei wurde nicht aufgelöst, doch außer dem Recht Kandidaten zur Wahl antreten zu lassen, durfte sie nichts mehr. Hier begann die Bedeutung von Adlershof für die Berliner Sozialdemokratie. Da die Genossen sich nur noch illegal treffen konnten, nutzte man den Arbeitervorort während der Zeit des Sozialistengesetzes für die illegalen Treffen – im Grünen.

Wie stark die Arbeiterschaft in Adlershof zu dieser Zeit war, zeigt das Ergebnis der Reichstagswahl von 1890, als 336 von 496 Wahlberechtigte Adlershofer für den Sozialdemokratischen Kandidaten des Wahlkreises Teltow / Beeskow / Storkow / Stadt Charlottenburg stimmten. Den 1. Mai 1890 begangen 10.000 Arbeiter Berlins am Müggelsee, auch Adlershofer ließen sich durch Ausschlußandrohungen und Polizeiaufgebot nicht schrecken – der 1. Mai war damals noch kein offizieller Feiertag.

Die Anfänge der organisierten Sozialdemokratie bildeten die sogenannten Arbeiterbildungsvereine, in denen die Arbeiter gemeinsam Zeitungen und Bücher lasen, Reden hörten und über die aktuellen politischen Themen diskutierten. Am 08.07.1891 wurde bei einer Veranstaltung von 1.000 Arbeitern in Wollsteins Lustgarten die Gründung eines solchen Vereins in Adlershof beschlossen. Die Gründungsveranstaltung fand am 16.07.1891 statt. Erster Vorsitzender wurde der Sozialdemokrat Rose. Aus diesem Verein entstand am 19.10.1893 der „Sozialdemokratische Arbeiterverein“, der sich zum Erfurter Programm der inzwischen umbenannten SPD bekannte und damit als erste Ortsgruppe der SPD Adlershof gelten kann.

Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war auch in Adlershof vom Aufstreben der Sozialdemokratie und der Arbeiterschaft sowie vom Widerstand der Regierungen und ihrer Beamten gegen das zunehmende Selbstbewußtsein dieser gekennzeichnet. Im Arbeiterort Adlershof bildeten sich eine Reihe SPD geprägter Vereine, z. B. der Gesang-, der Turn- oder der Raucherverein. In den ansässigen Firmen entstanden gewerkschaftliche Organisationen. Der Amtsvorsteher Herr von Oppen, sein Spitzname war „Bismarck von Adlershof“, blieb hierbei immer der erfrischende Gegner. Er belegte Gastwirte mit Strafen, wenn diese Veranstaltungen der Sozialdemokraten ausrichteten, so daß der Vorwärts die lakonische Empfehlung gab, die Adlershofer Gaststätten zahlreich zu besuchen. 1898 verbot von Oppen eine Gedenkveranstaltung für die Revolution von 1848 und 122 Adlershofer sollten eine Strafe für in ihren Fenstern aufgestellte Kerzen zahlen. Dieses konnte mit Hilfe des SPD-Rechtsanwalts Josef Herzfeld verhindert werden. Dank dieser vielen netten Geschichten blieb der kleine Arbeitervorort Adlershof ständig im Blickpunkt der Berliner Öffentlichkeit, so daß die Arbeiter Herrn von Oppen auch artig zu seinem 25. Amtsjubiläum mit dem Transparent „Dem besten Agitator der Sozialdemokratie Hans von Oppen zum 25. Amtsjubiläum sendet das Ungeziefer“ gratulierten.

Da eine gute Bildung das wichtigste Individualrecht der Menschen ist, verwundert es nicht, daß sie damals wie heute ein wichtiges politisches Thema für uns ist. Das die Forderungen nach “... Weltlichkeit der Schule, Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel, Schulkantinen, Schulärzten, obligatorischer Fortbildungsunterricht bis zum 18. Lebensjahr, Einrichtung von Volksbibliotheken...“ von 1899 sich mit denen von 2005 so ähneln, zeigt, daß damals wie heute diese Grundrechte von bürgerlichen Kräften bedroht sind.

Den Ortsverein Adlershof führte Ende der 90er Jahre Ludwig Schneider, sein Stellvertreter war Wilhelm Matheka, weitere aktive Mitglieder waren Karl Bartels, Leopold Witzke, Wilhelm Hildebrandt, Gustav Tempel, Arthur Scholz sowie die Genossen Reichert, Rettig, Gebauer, Wadephul und Faber. Seit 1893 war der Gastwirt Fritz Zubeil (SPD) Reichstagsabgeordneter des Wahlkeises zu dem auch Adlershof gehörte.

Mit der Aufhebung des Verbindungsverbotes in Jahr 1900 vollzog sich in der SPD der Übergang vom „Vertrauensleutesystem“ zu Vereinen mit festen Mitgliedsbeiträgen, Ortsvereinen, Wahlkreisvereinen bis zur Reichsorganisation mit Parteivorstand (Statut der SPD von 1905). Auch der Ortsverein Adlershof entwickelte sich schnell: 1906=400, 1908=536, 1910=566, 1911=616, 1913=835, 1914=970 Mitglieder – das wollen wir wieder erreichen, uns fehlen nur noch 928 Mitglieder! Bei den Veranstaltungen trat ebenfalls eine zunehmende Konstanz und Organisiertheit ein. Im ersten Halbjahr 1910 z. B. traf sich der Ortsverein zu zwei Generalversammlungen, zwei Mitgliederversammlungen, neun öffentlichen Versammlungen, 15 engere und drei weitere Vorstandssitzungen, zwei Extraabende und sechs Flugblattverbreitungen. Den Vorstand bildeten der 1. Vorsitzende Emil Klodt, der 2. Vorsitzende Heil, Schriftführer Voggenreiter, Kassierer Gustav Hinze, Hilfskassierer Blaake, Beisitzer Otto Bengsch und Genossin Zabel, Parteispediteur (vertrieb die Druckerzeugnisse der SPD) Karl Schwarzlose, die Revisoren August Beck, Noske und Klein, die Lokalkommission Hermann Martin und Poppe, Bibliothekar Erwin Neumann, Kinderschutzkommission Genossin Horlitz, Bildungs- und Jugendausschuß Albert Horlitz, Stropp und Kurt Friedrich. Die Parteibeiträge wurden von monatlich auf wöchentlich 10 Pf. erhöht (das sind 400 %) und es konnten 13 neue Mitglieder geworben werden. 1895 wurde der Tischler Ferdinand Büttner der erste Gemeindeverordnete der SPD, 1903 kam Wilhelm Hildebrandt als zweiter hinzu. Seit 1906 hatte die SPD dann 4 von 11 Gemeindeverordnetenposten und seit 1912 sogar 7 von 15. Ab 1906 konnte man durch sozialdemokratische Hausbesitzer sogar Mandate in der zweiten Wählerabteilung erringen.

In Preußen gab es zu dieser Zeit ein am Besitz ausgerichtetes Drei-Klassen-Wahlrecht. Die Abschaffung dieses ungerechten Wahlsystems, in dem die Armen (3. Klasse) nur eine Stimme, die 2. Klasse 5-8 Stimmen und die 1. Klasse sogar 16-26 Stimmen besaßen, war für die SPD ein Hauptziel in ihrem politischem Kampf. Dafür demonstrierten u. a. am 10.04.1907 im Treptower Park eine viertel Millionen Menschen, davon 1.000 aus Adlershof. Weitere Ziele waren die Abrüstung und der Kampf gegen den Preiswucher, für den z. B. in Adlershof die „Konsum-Genossenschaft Adlershof und Umgebung“ gegründet wurde. Zur Reichstagswahl 1904 hatte Adlershof 1.875 Wahlberechtigte, von denen 1.659 (88,4 % !) wählen gingen (die wußten noch was Demokratie bedeutet) und 1.230 den SPD-Kandidaten Zubeil wählten.

1913 gab es in Adlershof bei 11.000 Einwohnern 260 Arbeitslose, vor allem im Baugewerbe. Die SPD forderte eine Unterstützung der in schwieriger finanzieller Lage stehenden Familien. Es wurden zinslose Darlehen an die Betroffenen ausgegeben und mit dem Erweiterungsbau der 2. Gemeindeschule begonnen. Außerdem wurden Seefisch und Fleisch eingekauft, um preiswert an die Bedürftigen weiterverkauft werden zu können. Für den Winter 1912/13 wurde eine Speiseversorgung sowie nachmittags geöffnete und beheizte Klassenzimmer für die bedürftigen Kinder bereitgestellt.

Am 02.08.1914 endeten 43 Jahre Frieden und 30 Jahre Aufschwung in Adlershof. 150 - 200 Männer, 31 der 100 Pferde und alle Brieftauben der Ortes wurden mobil gemacht. Mit Unterstützung der SPD-Gemeindevertreter Zabel und Büttner wurde eine Volksküche eingerichtet. In der Gemeindevertretung gab es zunehmend Streit über die Unterstützungen. So wurde der SPD-Vorschlag ein Existenzminimum für Soldatenfamilien festzulegen abgelehnt. Ausfallende Einnahmen und wachsende Kosten für die Armenunterstützung mußten mit Steuern – z. B. 1915 einer Biersteuer! – ausgeglichen werden. Als es 1917 zu Streiks in den Fabriken am Flughafen Johannisthal kam, waren auch Adlershofer Arbeiter beteiligt.

Für Adlershof begann so eine neue aufregende, revolutionäre, aber auch blutige Zeit.

 

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