Eine Vielzahl gleichzeitiger Sanierungen blockiert Straßen
Bahnhofstraße, Hämmerlingstraße, Müggelheimer Straße –
Straßennamen, die derzeit keine Freude bereiten. Am
Anfang des Jahres 2024 war überhaupt nicht absehbar, dass zu
der Baustelle für die Errichtung des neuen
Regionalbahnhofs Köpenick noch weitere hinzukommen.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben erst im Herbst
bekanntgegeben, dass sie die Gleisanlagen der
Straßenbahn in der Altstadt grundlegend zu erneuern
müssen und wollen. Sie haben für diese Arbeiten eine
Abstimmung mit den Berliner Wasserbetriebe gesucht. Die
erklärten, dass sie die Gelegenheit nutzen werden, um
Arbeiten an Wasser- und Abwasserleitungen auszuführen.
Perspektivisch wäre dies ohnehin notwendig geworden. Das
bedeutet jedoch, dass für eine mehrjährige Bauzeit durch
die BVG ein komplexes Verkehrskonzept ausgearbeitet
werden musste, das eine Umleitung des Bus- und
Straßenbahnverkehrs vorsieht. Dazu gehört ein neues,
provisorisches, Gleis in der Müggelheimer Straße. Dass
diese Arbeiten im Herbst begannen, hat das Bezirksamt
stark kritisiert. „Der Beginn der Bauarbeiten in der
Müggelheimer Straße kam zum denkbar schlechtesten
Zeitpunkt. Als Bezirksamt wollten wir eine Verschiebung.
Leider sind unsere Bedenken nicht berücksichtigt worden“,
sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel. Viele Menschen sind
davon sehr stark betroffen, die auch zurecht die
Mehrfachbaustellen in Köpenick kritisieren. Das Berliner
Verkehrsmanagement ist bei der Senatsverkehrsverwaltung
zentralisiert, die in dem Fall nicht eingegriffen hat.
„Mehrfachbaustellen in einem bestimmten Umfeld sollten
vermieden oder mit einem guten Verkehrskonzept versehen
werden. Es kann immer noch kurzfristig zu Havarien
kommen, wodurch aus Mehrfachbaustellen dann ein
absoluter Stillstand drohen kann“, sagte
Bezirksbürgermeister Oliver Igel. Künftig sollten viel früher
und mit technischer Unterstützung Auswirkungen von
planbaren und geplanten Baustellen simuliert werden und
daraus Schlüsse gezogen werden: Verschiebungen oder
funktionsfähige Umleitungskonzepte.
„Baustellen dürfen aber nicht herrenlose Leerstellen sein.
Viele sind davon genervt, dass Absperrungen und
Umleitungen bei Baustellen gesehen werden, bei denen
kaum jemand arbeitet. So entstehen unnötig lange
Bauzeiten. Es muss strengere Vorgaben geben, wann
Bauten zeitlich abgeschlossen sind“, fordert Igel. Es müssen
nach Auffassung des Bezirksbürgermeisters auch bessere
Anreize für eine schnelle Abwicklung von Baustellen
geschaffen werden, beispielsweise durch die Erhöhung von
Gebühren für Baufirmen, die Straßen, Geh- und Radwege
für die Baustelle und deren Einrichtung nutzen. „Die
Gebühren für entzogene Wege durch Baustellen wurden
seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr erhöht und sind
einfach zu billig. Auch das muss ein Anreiz sein, schnell
fertig zu werden“, sagte Bezirksbürgermeister Igel.