Geschichte
Vor 58 Jahren wurde die DDR durch den Volksaufstand vom 17. Juni erschüttert. Mehr als eine Million Menschen gingen damals auf die Straße, um für freie Wahlen, Meinungsfreiheit und die deutsche Einheit zu kämpfen. Der Volksaufstand wurde zum Teil blutig niedergeschlagen.
Kaum jemand weiß, dass der Bezirk Köpenick eine wichtige Rolle für den Volksaufstand spielte. Die Verabredungen für den Streik auf der Großbaustelle des Krankenhauses Köpenick - von dem aus sich der Aufstand wie ein Flächenbrand durch das Land zog - wurden auf einer Dampferfahrt der Arbeiter getroffen. In der Gaststätte „Rübezahl“ stand ein Brigadier auf und verkündete vor der versammelten Belegschaft, dass ab dem 15. Juni gestreikt werde. An diesem Montag formulierten die Arbeiter eine Resolution an Ministerpräsident Otto Grotewohl und forderten darin eine Senkung der Normen und eine sofortige Antwort.

Anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus in Berlin startet die SPD Treptow-Köpenick einen Zeitzeugenaufruf. „Wir suchen Erlebnisberichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus unserem Bezirk, die die damaligen Ereignisse miterlebt haben. Wer seine Erinnerungen aufschreiben möchte und mündlich berichten will, kann dies auf einer eigens geplanten Gedenkveranstaltung im August tun. Bis dahin sammeln wir die Zeitzeugenberichte“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende Oliver Igel. Willkommen sind aber auch Fotos und andere Dokumente aller Art rund um den Mauerbau. Treptow hatte den längsten Berliner Mauerabschnitt. „Auch 50 Jahre danach erschüttern uns die Schicksale durch den Mauerbau – die zerrissenen Familien, die Flüchtlinge und vor allem die gescheiterten Fluchten. Der Schießbefehl an der Mauer führte dazu, dass allein in Treptow mindestens 15 Menschen bei Fluchtversuchen getötet wurden, darunter auch zwei Kinder. Das darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Igel. Heute erinnern mehrere Denkmale und Straßennamen sowie Ausstellungen an die Folgen des Mauerbaus für den Bezirk.
Die SPD hat sich wiederholt dafür eingesetzt, dass die letzten Spuren der Berliner Mauer als Mahnung erhalten bleiben.
Zeitzeugenberichte, Fotos und andere Dokumente können bis Ende Juli im SPD-Kreisbüro in der Grünauer Straße 8 (Köllnische Vorstadt) oder per E-Mail (gabriele.schmitz@spd.de) abgegeben werden.
Tel.: 65496204

Die Berliner Sozialdemokratin Clara Bohm-Schuch (1879-1936) war nicht nur eine herausragende Politikerin und eine der ersten Frauen in der demokratischen Nationalversammlung, sondern auch eine begnadete Rednerin, Dichterin und Journalistin. Vor 75 Jahren – am 6. Mai 1936 – starb sie in Berlin. Anlässlich ihres 75. Todestages gedachte die SPD Treptow-Köpenick ihrer an ihrem Grab auf dem Friedhof Baumschulenweg.
Als Kind von Kleinbauern wuchs sie im Havelland auf, arbeitete nach ihrem Schulabschluss als Dienstmädchen und Verkäuferin und schloss dann eine Handelsschule in Berlin ab. Schreibfräulein, Buchhalterin, kaufmännische Angestellte und Chefsekretärin waren weitere berufliche Stationen. Die streikenden Weberinnen und Weber von Crimmitschau und eine politische Versammlung mit Rosa Luxemburg begeisterten Clara Bohm für die Gewerkschafts- und Frauenbewegung, in der sie sich fortan – ab 1904 – engagierte. Kinder waren fortan ebenfalls ein zentrales Anliegen. Sie kämpfte für ein besseres Kinderschutzgesetz, initiierte Kinderschutzkommissionen und Mütterberatungsstellen.
Der Erste Weltkrieg prägte auch Clara Bohm, die inzwischen den Kaufmann Willy Schuch geheiratet hatte. Sie betätigte sich als Dichterin und Journalistin, verarbeitete das Elend des Krieges, das Schicksal der Kinder und alleinstehenden Frauen. Mehrere Broschüren von ihr beschäftigen sich mit Kinder- und Frauenpolitik. Von 1919 bis 1922 war sie Chefredakteurin der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“.
Ihre Gedichte wurden häufig auf SPD-Parteitagen gesungen oder vorgetragen. So wurde das Gedicht „Ich warte dein“ zu einer Parteitagshymne, die von Gustav Uthmann vertont wurde („Komm, goldner Freiheitstag, ich warte dein“). 1932 wurde ihr einziger Gedichtband veröffentlicht.